Josef Giebels

Josef Giebels, Jahrgang 1909, starb am 1. August 1996. Er war der letzte der Neusser Antifaschisten, die im Widerstand gegen die Nazidiktatur gestanden hatten. Der folgende Artikel erschien im „Neusser Monat“ 1/1995

Josef Giebels – Einer der dagegen war

Ein echter Neusser ist der 85-jährige Josef Giebels, mit Erftwasser getauft, wie er sagt. Und er ist der letzte, der noch lebt von denen, die den Nazis widerstanden in Neuss, damals, in den Dreißigern. Noch immer ein Mann, der die große und die kommunale Politik verfolgt, der eine eigene, kritische Meinung hat und sie auch ausspricht.
Handformer, Kunstgießer hat er gelernt, damals in den zwanziger Jahren, als es schwer war, eine Lehrstelle zu bekommen. Voll Stolz zeigt er ein Foto, da steht er neben einem gewaltigen Metallreifen von sechs Metern Durchmesser, einer Seilscheibe für den Förderturm eines Bergwerks, seine Arbeit.
Josef Giebels fand früh den Weg in die politische Arbeiterbewegung. Gewerkschaft, Sozialistische Arbeiterjugend, 1931 wurde er Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei, einer kleinen Partei links von der Sozialdemokratie, der damals auch Leute wie Willy Brandt oder der legendäre IG-Metall-Chef der 50er Jahre, Otto Brenner, angehörten. Ziel dieser Partei, die in Neuss von Ludwig Rouette geführt wurde, war, die Einheit der Arbeiterbewegung, die Einheitsfront von SPD und KPD herbeizuführen.
Nach der Machtübergabe an die Nazis am 30. Januar 1933 verlegte auch die Neusser SAP-Gruppe ihre Aktivitäten in den Untergrund. Josef Giebels und seine Genossen trafen sich zu Spaziergängen, auf denen die Widerstandstätigkeit, aber auch aktuelle politische Fragen diskutiert wurden; Flugblätter und im Ausland gedruckte Zeitungen antifaschistischen Inhalts wurden nach Neuss gebracht und weitergegeben.
Am 22 . November 1935 („Es war ein Mittwoch, furchtbar neblig“, sagt Josef Giebels – der Tag ist in sein Gedächtnis gemeißelt.) wurde die Gruppe von der Gestapo zerschlagen, ihre Mitglieder verhaftet.
Nach Untersuchungshaft in Düsseldorf, wo er ausgepeitscht wurde, um Aussagen von ihm zu erzwingen, verurteilte das Oberlandesgericht Hamm ihn zu drei Jahren Haft. Mit ihm wurden die Neusser Emil Knäpper, Ludwig Rouette, Alfred Fleuren, Josef Rector, Gerhard Esser, Franz Krosch, Richard Kiesewetter und Johann Sangs zu zum Teil mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt.
Giebels erinnert sich:

Emil Knäpper, Josef Rector und ich saßen zuerst auf ‚der Ulmer Höhe, dann in Lüttringhausen und schließlich in Vechta ein. In Vechta hatte es sich herumgesprochen, dass ein Sträflingstransport aus dem Rheinland ankäme. Die ganze Stadt war auf den Beinen, als wir zum Gefängnis geführt wurden. Was mögen die sich vorgestellt haben, was wir angestellt haben!“
Nach der Haftentlassung hatte Josef Giebels Glück: als hochqualifizierter Facharbeiter fand er wieder Arbeit, nicht sofort allerdings: „In meinem Betrieb haben Zuchthäusler nichts verloren“, bekam er beim Vorstellungsgespräch in einem Neusser Unternehmen zu hören. In den folgenden zwei Jahren musste er sich dreimal wöchentlich bei der Gestapo melden.
Die Nazis hielten Giebels nicht für „würdig“, an dem von ihnen entfachten Krieg teilzunehmen. Aber 1942, die Verluste waren hoch, die Wende des Krieges zeichnete sieh ab, dachten sie anders darüber: Er wurde in das berüchtigte Strafbataillon 999 eingezogen. Dreimal wurde er verwundet, dann war er, 1944, für den Krieg nicht mehr tauglich. Nicht etwa nach Hause wurde er entlassen, die Nazis hatten ihm seine Gegnerschaft zu ihrer Mörderherrschaft nicht vergessen. Sie steckten ihn in ein KZ im Schwäbischen, wo er im Frühjahr 1945·von französischen Truppen befreit wurde.
Im Juni 1945 kehrte Josef Giebels nach Neuss zurück. Irgendwann gab’s „Wiedergutmachung“: lächerliche 5 Mark pro Tag Zuchthaus und KZ.
Er meint, damals hätte bei den Neussern die Auffassung vorgeherrscht, befreit worden zu sein.

„Von den alten Nazis waren ja noch viele in Gefangenschaft oder interniert. Was wäre geworden, wenn wir nicht von außen befreit worden wären? Viele haben dann bald vom ,Zusammenbruch’ gesprochen, weil ja alles kaputt war, weil es Hunger gab und Armut. Man muss fragen, wie kam es denn dazu, dann weiß man auch heute: Wir sind befreit worden.“

Vielen Dank an den Autor Manfred Idler

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s